Unsere Heimat – Das virtuelle Museum

Öffnungszeiten des Museums:
24/7/365

Ein solches Schild würde man gerne am Eingang eines Museums lesen. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande hat nun ein solches Museum eröffnet.

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande ist ein recht untypischer Heimatverein. Denn sein Blick ist nicht nur rückwärts auf die Geschichte der Stadt gerichtet, die darzustellen und zu erforschen angesichts der rund tausendjährigen Stadtgeschichte schon eine anspruchsvolle Aufgabe wäre. Er schaut auch gerne hinaus in die Welt. Seine Studienreisen durch Deutschland und Europa sind bekannt und begehrt, verbinden sie doch die Leichtigkeit der Reise in angenehmer Gesellschaft mit der Vermittlung interessanter geschichtlicher oder kultureller Fakten. Das Besondere am Erkelenzer Heimatverein ist jedoch der Blick ins Virtuelle. Mit dem ersten virtuellen Museum in Deutschland betrat der Verein unter der Leitung von Günther Merkens vor rund drei Jahren Neuland. Schließlich geht es um nicht weniger als den Erhalt der Erinnerung an die „verlorene Heimat“. Gemeint sind die Ortschaften Keyenberg, Berverath, Westrich und Kuckum, die als letzte Orte dem Rheinischen Tagebau zum Opfer fallen.

„Die Ortschaften sind unwiederbringlich verloren“, sagt der Vorsitzende Merkens. „Trotzdem wollten wir die Erinnerung aufrechterhalten und die Kulturgüter, die mit den Orten verschwinden, auch für die Nachwelt dokumentieren.“ Ein hehres Ziel, das jedoch viel Geld kostet. Schnell war klar: Ein „echtes“ Museum würde sich die Stadt niemals leisten können. Also wurde die Idee eines virtuellen Museums geboren, das die Ortschaften zumindest im Internet weiterbestehen lässt.

Ein virtuelles Museum, das die Erinnerung aufrechterhält

Fotoquelle: www.virtuelles-museum.com

Die Idee entstand bei einer Tagung über die Heimat in Literatur, Sprache und Kunst auf Hohenbusch, zu der der Heimatverein eingeladen hatte. Ideengeber war der Düsseldorfer Professor Helmut Brall-Tuchel. Schnell hatte sich ein Arbeitskreis gegründet, der die planerische und inhaltliche Vorarbeit leistete. Für die professionelle Gestaltung und Nutzbarkeit des virtuellen Museums wurde das Unternehmen Minkenberg Medien und Kommunikation gewonnen. Drei Jahre lang hat der Arbeitskreis des Heimatvereins mit professioneller Hilfe gearbeitet und viel Geld in die Hand genommen, um das interaktiv angelegte Online-Museum auf den Weg zu bringen. Zunächst wurde Keyenberg ins Netz gebracht. Und zwar auf hohem Niveau. Der Besucher kann sich in dem Ort und Gebäuden wie der Kirche umsehen, wobei „umsehen“ durchaus wörtlich gemeint ist. Denn durch 360-Grad-Ansichten und aufwändige Aufnahmen ist es möglich, sich mit der Maus selbständig zu bewegen und zu ganz individuellen Besichtigungen durch einen Ort aufbrechen, den es schon in wenigen Jahren nicht mehr geben wird. Die Rundgänge sind mit Informationen zur Ortsgeschichte unterfüttert und untereinander verlinkt. Das kostet Zeit und Geld. Geldgeber des ambitionierten Projektes sind unter anderem die Kreissparkasse und der Landschaftsverband Rheinland sowie viele Spender. Nun ist das virtuelle Museum online und verzeichnet jeden Tag eine wachsende Zahl von Besuchern. Mit Keyenberg ist es natürlich nicht getan. An der Präsentation der weiteren Umsiedlungsorte wird ebenso gearbeitet wie später auch eine Ausweitung auf die anderen Ortschaften.

Ziel ist es, später alle Erkelenzer Ortschaften und ihre Besonderheiten online zu präsentieren und erlebbar zu machen. Dabei ist der Blick nicht zwangsweise rückwärtsgewandt. Denn die neuen Ortschaften, die die alten Namen tragen, werden natürlich ebenso in ihrer Entwicklung begleitet. Durch die Nutzung der virtuellen Welt des Internets ist es möglich, neue Wege der historischen Dokumentation zu gehen und auch neue Zielgruppen anzusprechen.

Fotoquelle: www.virtuelles-museum.com

Viele spannende Beiträge und Videos aus der Vergangenheit

Denn die Vielfalt des Angebotes ist verlockend und lädt zur spielerischen Entdeckung ein. So weist jeder Artikel auf weitere Informationen hin, sodass sich der Besucher weiter vorwärts bewegen und den Ort selbständig erkunden kann.

Das Angebot reicht von Videos und Grafiken bis hin zu Sachtexten, persönlichen Storys oder Informationen zu bedeutenden Bürgern des Ortes. Selbst die Teile, die bereits heute auf den Karten als Tagebauloch ausgewiesen sind, bergen noch Informationen. Denn die graue Fläche ist unterlegt mit historischen Flurkarten, die zurückreichen bis in die Zeit der französischen Besatzung. Dazu gehören jedoch auch virtuelle Rundgänge durch den Ort oder ein Besuch in der Kirche. Dort kann man tun, was man sich sonst nie trauen würde: einfach mal in die Schränkchen schauen und sich die Kirchenschätze genauer betrachten.

Wohin man schaut und geht, entscheidet man selbst per Mausklick. Daher lohnt es sich auch, das virtuelle Museum öfter zu besuchen und zu stöbern, zumal der Inhalt regelmäßig ausgebaut und erweitert wird.

Unsere Heimat – Motten

Spannende Geschichten ranken sich um die Motte ­„Aldeberg“ zwischen Arsbeck und Dalheim-Rödgen. Im Hochmittelalter stand auf diesem Turmhügel eine stattliche Burganlage.

Zeugnisse vergangener Zeiten und mystische, sagen­umwobene Stätten

Wissen Sie, wo es unsere Motten gibt?

Im Kreis Heinsberg zeugen rund 20 erhaltene Motten davon, wie sich die Menschen im Mittelalter gegen Eindringlinge geschützt haben. Es sind Wehranlagen, die aus einem meist künstlich aufgeschütteten, von einem Graben umgebenen Burghügel und oftmals aus einer ebenerdigen oder leicht erhöhten Vorburg bestanden. Wurden auf dem ersteren ursprünglich hölzerne oder steinerne Wehr- und Wohnbauten errichte, befanden sich auf dem Zweitgenannten die Wirtschaftsgebäude. Diese Befestigungsart war ab dem 10. Jahrhundert nach Christus in Mittel- und Westeuropa weit verbreitet.

Vor allem Vertreter des niederen Adels errichteten die Motten, die für die kleinen Herrschaften der Region von zentraler, wirtschaftlicher Bedeutung waren. Sie werden hierzulande auch als Vorläufer der späteren Wasserburgen betrachtet.

Sagen von Heinzelmännchen und Werwölfen

Um die Mottenanlagen rankten und ranken sich viele Sagen. So wird vom Aldeberg in Wegberg-Arsbeck oder von der Motte Bolleberg bei Brüggelchen in der Gemeinde Waldfeucht erzählt, dass dort – so wie in weiteren Motten ebenso – Heinzelmännchen beziehungsweise Zwerge wohnten, die nachts aktiv waren. Spät abends stellten die Mägde oder Hausherrinnen der umliegenden Gehöfte ihr schmutziges Geschirr – die Teller, Töpfe und rußigen Kessel – vor die Tür oder das Hoftor. Wenn nachts die Menschen schliefen, kamen die fleißigen kleinen Helfer herbei und scheuerten die schmutzigen Sachen blitzblank, so dass man sich darin spiegeln konnte. Als Lohn nahmen sie Essensspenden mit.

Zusätzlich trieb früher in Arsbeck rund um den Berg ein Werwolf sein Unwesen: Kamen Menschen im Dunkeln vorbei, sprang er sie an.
Wie im Sach- und Heimatkundebuch des Kreises Heinsberg beschrieben wird, störte die Ausbreitung des christlichen Glaubens in hiesiger Heimat im 8. und 9. Jahrhundert die Heinzelmännchen bei ihrem heimlichen Treiben. Und hatten sie früher den Menschen nur Gutes erwiesen, holterten und polterten sie jetzt nachts in den Gehöften und Dörfern herum, um die Menschen zu erschrecken. Es entstand eine Feindschaft zwischen ihnen. Als dann von allen Glockentürmen die Kirchenglocken läuteten, ertrugen die heidnischen Zwerge dies nicht länger. Erzürnt packten sie ihre Habseligkeiten und verließen mit dem Säcklein auf dem Rücken ihre so lieb gewonnene Heimat, um in weiter, weiter Ferne, wo kein Kirchengeläute und keine menschliche Neugier sie belästigten, ihr Dasein zu fristen.

Einige sehenswerte Mottenburgen im Kreisgebiet
Es sind im Kreis Heinsberg rund 40 Motten nachgewiesen, von denen fast die Hälfte nicht oder nur zu Teilen erhalten sind. Die Arsbecker Motte beispielsweise ist als „Mehrteilige Burganlage Burgberg Alde Berg“ als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Wegberg eingetragen. Sie besteht aus einer zwölf Meter hohen künstlichen Aufschüttung, der von einem Graben umschlossenen Hauptburg. Daran grenzt östlich die Vorburg an. Die inmitten eines Buchenwaldes und mit Buchen bewachsene Burganlage ist eine der größten hoch- bis spätmittelalterlichen Anlagen des Rheinlandes.

Ebenfalls aufgrund ihrer Größe und landschaftlichen Lage beeindruckend, befindet sich die ­Tüschenbroicher Motte einige Kilometer entfernt mitten im Weiher von Schloss Tüschenbroich. Ehemals ist vermutlich bereits im neunten oder frühen zehnten Jahrhundert auf dem etwa zehn Meter hohen Hügel, der einen Durchmesser von knapp 80 Metern hat, eine Wehranlage entstanden. Nachdem ein Brand im Jahr 1624 den damaligen Wohnturm in Schutt und Asche legte, ließ Franz von Spiering ab 1630 auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg ein großes dreiflügeliges Renaissance-Schloss errichten, dessen westlicher Wohnhausflügel, Nordturm sowie Teile des Südturms heute noch zu sehen sind.

Dagegen liegt auf dem Kirchberg – der ehemaligen Vorburg der Herren von Heinsberg – die Propsteikirche „St. Gangolf“, auch „Selfkantdom“ genannt. Den daneben liegenden Burgberg in Heinsberg hatte man künstlich erhöht und auf dieser Motte im 10. Jahrhundert vermutlich zunächst eine Fluchtburg aus Holz errichtet. Später erbauten die Herren von Heinsberg auf dieser Anhöhe ihre Burg – die erhaltenen Ruinen des Herrenhauses aus dem 12. Jahrhundert befinden sich am südlichen Rand des Burgbergs. Die Burg wurde im Laufe der Zeit mehrfach beschädigt und wieder aufgebaut.

Wie im Sach- und Heimatkundebuch des Kreises Heinsberg beschrieben wird, störte die Ausbreitung des christlichen Glaubens in hiesiger Heimat im 8. und 9. Jahrhundert die Heinzelmännchen bei ihrem heimlichen Treiben. Und hatten sie früher den Menschen nur Gutes erwiesen, holterten und polterten sie jetzt nachts in den Gehöften und Dörfern herum, um die Menschen zu erschrecken. Es entstand eine Feindschaft zwischen ihnen. Als dann von allen Glockentürmen die Kirchenglocken läuteten, ertrugen die heidnischen Zwerge dies nicht länger. Erzürnt packten sie ihre Habseligkeiten und verließen mit dem Säcklein auf dem Rücken ihre so lieb gewonnene Heimat, um in weiter, weiter Ferne, wo kein Kirchengeläute und keine menschliche Neugier sie belästigten, ihr Dasein zu fristen.

Einige sehenswerte Mottenburgen im Kreisgebiet
Es sind im Kreis Heinsberg rund 40 Motten nachgewiesen, von denen fast die Hälfte nicht oder nur zu Teilen erhalten sind. Die Arsbecker Motte beispielsweise ist als „Mehrteilige Burganlage Burgberg Alde Berg“ als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Wegberg eingetragen. Sie besteht aus einer zwölf Meter hohen künstlichen Aufschüttung, der von einem Graben umschlossenen Hauptburg. Daran grenzt östlich die Vorburg an. Die inmitten eines Buchenwaldes und mit Buchen bewachsene Burganlage ist eine der größten hoch- bis spätmittelalterlichen Anlagen des Rheinlandes.

Ebenfalls aufgrund ihrer Größe und landschaftlichen Lage beeindruckend, befindet sich die ­Tüschenbroicher Motte einige Kilometer entfernt mitten im Weiher von Schloss Tüschenbroich. Ehemals ist vermutlich bereits im neunten oder frühen zehnten Jahrhundert auf dem etwa zehn Meter hohen Hügel, der einen Durchmesser von knapp 80 Metern hat, eine Wehranlage entstanden. Nachdem ein Brand im Jahr 1624 den damaligen Wohnturm in Schutt und Asche legte, ließ Franz von Spiering ab 1630 auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg ein großes dreiflügeliges Renaissance-Schloss errichten, dessen westlicher Wohnhausflügel, Nordturm sowie Teile des Südturms heute noch zu sehen sind.

Dagegen liegt auf dem Kirchberg – der ehemaligen Vorburg der Herren von Heinsberg – die Propsteikirche „St. Gangolf“, auch „Selfkantdom“ genannt. Den daneben liegenden Burgberg in Heinsberg hatte man künstlich erhöht und auf dieser Motte im 10. Jahrhundert vermutlich zunächst eine Fluchtburg aus Holz errichtet. Später erbauten die Herren von Heinsberg auf dieser Anhöhe ihre Burg – die erhaltenen Ruinen des Herrenhauses aus dem 12. Jahrhundert befinden sich am südlichen Rand des Burgbergs. Die Burg wurde im Laufe der Zeit mehrfach beschädigt und wieder aufgebaut.

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